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U18 EM Rieti

Franziska Gräter gewinnt sensationell Gold bei den U18 Europameisterschaften in Rieti

 

Auf der Zielgeraden holt Franziska Gräter alles aus sich heraus. Sie zieht an Lucie Cawley vorbei. Die Irin versucht noch, der Hallerin den Weg abzuschneiden. Die beiden Läuferinnen haben Körperkontakt, Franziska Gräter wehrt sich und hält ihre Linie. Kurz darauf sackt sie im Ziel auf den Boden. Die Uhr bleibt bei 6:36,03 Minuten stehen. Das ist nicht nur eine Verbesserung der persönlichen Bestzeit um acht Sekunden. Viel entscheidender ist: Franziska Gräter hat als Erste die Ziellinie überquert, die Hallerin ist U18-Europameisterin über 2000 Meter Hindernis. Damit hat sie einen Eintrag in den lokalen Geschichtsbüchern sicher. Es ist der größte Erfolg in der Haller Leichtathletik-Historie. Im Ziel sitzt Franziska Gräter am Boden, hält sich die Hände vor den Mund. Ungläubig schaut sie um sich, sie kann ihren Erfolg, so scheint es, selbst kaum glauben. Rund 1100 Kilometer von Rieti entfernt hat ihr Heimtrainer Erich Quenzer das Rennen via Livestream verfolgt. Seit Jahrzehnten trainiert er Leichtathletinnen und Leichtathleten. Er hat viel erlebt. Diesmal aber ringt er um Worte: „Unfassbar!“ ist das erste, was er sagt. „Ich bin schon lange dabei, aber einen solchen Erfolg gab es noch nie.“ Schon eine Nominierung für internationale Meisterschaften gebe es für Haller Athleten ganz selten. Ihm fallen die Stabhochspringerin Tamineh Steinmeyer und Torben Laidig (beide WGL Hall) ein, der bei der Jugendolympiade 2011 Silber im Stabhochsprung gewonnen hat. Jochen Zebisch (TSG Hall) wurde Deutscher U23-Meister, aber damals gab es keine U23-Europameisterschaften. „Astrid Beerlage ist ganz knapp an einer Nominierung vorbeigeschrammt.“ Aber eine Goldmedaille? „Unfassbar.“

In Rieti herrschen an diesem Samstag schon um 9.45 Uhr hohe Temperaturen. Es sind ungefähr 28 Grad. Das stört Franziska Gräter offensichtlich nicht. Auf der blauen Bahn läuft sie ein taktisch kluges Rennen. Zunächst hält sie sich zurück, liegt auf den ersten 1000 Metern ungefähr zwischen den Rängen 6 und 8. „Im richtigen Moment“, wie Erich Quenzer anmerkt, schiebt sich die junge Hallerin (Jahrgang 2010) nach vorne, läuft außen und zeigt besonders beim Wassergraben eine gute Technik. „Vor und nach der Deutschen Meisterschaft haben wir da noch etwas verbessert, nachdem sie in Pliezhausen am Wassergraben gestürzt war.“ Jetzt in Rieti ist das kein Problem mehr. Franziska Gräter nimmt scheinbar mühelos die Hürde. Als sie zu Beginn der letzten Runde unter den besten vier ist, „habe ich angefangen, mit einer Medaille zu spekulieren“, gibt Erich Quenzer zu. Er weiß um die Spurtstärke seiner Läuferin. Im Vorfeld der EM hatte er lediglich darauf gehofft, dass Franziska Gräter den Endlauf erreicht. „Alles andere war nicht einschätzbar.“ Dann zieht die 15-jährige Franziska Gräter den Schlussspurt an. „Darin war sie schon immer sehr gut. Sie hat auch die mentale Fähigkeit dazu.“ Entschlossen sprintet die Hallerin ins Ziel, trotz des Bedrängens der Irin Lucie Cawley. Dann steht es fest: Franziska Gräter ist U18-Europameisterin über 2000 Meter Hindernis. Der Finallauf war ihr erst viertes 2000-Meter-Hindernisrennen überhaupt. Die Siegerin konnte kaum glauben, was passiert ist: „Mein Ziel war es, den Finallauf zu erreichen. Gold zu gewinnen ist schlicht unglaublich“, so Franziska Gräter. „Ich habe auf den letzten 400 Metern gemerkt, dass ich noch Energie übrig habe.“

Von Hartmut Ruffer 

im WFV-Pokalfinale und wurde

Meister der Verbandsstaffel Nord.

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