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13. Swiss City Marathon Luzern

«Das war ein Tag, an dem alles gepasst hat. Die Stimmung war genial, sie hat mich abgelenkt.» Abgelenkt von Schmerzen, die noch etwas über die üblichen Torturen eines Laufs über 42,195 Kilometer hinausgingen. Der 40-jährige von der TSG Schwäbisch Hall reiste angeschlagen nach Luzern. «Ich führe einen Hausmeisterservice mit Gartenarbeit. Im Frühjahr musste ich meinem Angestellten kündigen. Seither arbeite ich 60 bis 70 Stunden pro Woche», erzählt Müller. «Vor eineinhalb Wochen machten sich darum Rückenprobleme bemerkbar.» Müller bereitete sich akribisch auf seinen Marathon vor. Die Strecke hatte er sich am Tag vor dem Rennen bei einer City Tour mit dem Bus angesehen. Dabei wurde ihm mit Blick auf den Streckenuntergrund der auch Kopfsteinpflaster beinhaltete sowie die ca. 300 Höhenmeter klar, dass im Unterschied zu einer schnellen Strecke wie Berlin oder z. B. Frankfurt am Main ein Zeitverlust von ca. 2 Minuten zu erwarten ist. Seinen Leistungsstand konnte er durch die in der Wettkampfwoche bei der Dr. Daniel Holzinger in Stuttgart absolvierte Spiroergometrie genau einschätzen. Blieb die Frage wie der Rücken halten würde. Müller fand nach dem Start seinen Rhythmus, ignorierte die Beschwerden und flog förmlich über den Asphalt. «Den Halbmarathon beendete ich in 1:12:37 Stunden. Irre! Die zweite Hälfte ging ich dann etwas langsamer an um kein unnötiges Risiko sich verstärkender Rückenschmerzen einzugehen. Am Ende plagten mich ab Kilometer 38/39 dennoch Krämpfe in der Wade», berichtet Müller. Der Japaner der bis zur Halbmarathonmarke mit Müller das Spitzenduo bildete, fiel zurück, während Müller auf der 2. Runde von den Zuschauern und der Livemusik getragen wurde. Durch den Wegfall der führenden Halbmarathonläufer die nun im Ziel waren, bekam Müller Begleitung durch das Kamerateam und das Führungsfahrzeug, das stetig die aktuellen Zwischenstände durchgab und die Zuschauer zur Unterstützung animierte.

Bei Kilometer 32 hatte Müller seine Durchgangszeit auf die Endzeit im Ziel hochgerechnet.  Er war überrascht, dass es so gut lief und wollte jetzt neben dem Sieg eine neue Bestzeit erreichen.

Vom Sprecher am Streckenrand glaubte er schließlich zu vernehmen, dass der erste Verfolger nur 30 Sekunden zurückliege. Deshalb ist er zum Teil mit Kilometerzeiten unter 3:20 Minuten seinem Traum entgegengelaufen. Ab Kilometer 35, dem wahren Beginn eines Marathons bei welchem die Kohlenhydratvorräte zur Neige gehen und die Energie zusehends, unter höherem Sauerstoffeinsatz aus Fetten gewonnen wird, zeigte Müller Kampfgeist. Das Tempo zu reduzieren hätte bedeuten können den Sieg zu verspielen und zu hohes Tempo, dass der Wadenmuskel vollständig zumacht. Nach Gefühl balancierte Müller das Tempo auf den letzten Kilometern. in den Gassen und am Streckenrand standen so viele Zuschauer und machten so unglaublich viel Lärm, dass sie seine laut ausstoßenden Schmerzlaute nicht wirklich wahrnahmen.

Entsprechend erstaunt war er, dass er den Wettkampf mit einem Vorsprung von sage und schreibe 5:48 Minuten für sich entschied. Auf Rang zwei lief der Schweizer Philipp Arnold, der damit sein bestes Ergebnis am Swiss City Marathon aus dem Vorjahr (3.) um einen Platz verbesserte. Das bunte Trio auf dem Podest wurde komplettiert durch den Japaner Akira Sakaguchi.

Kay-Uwe Müller hat für die Zukunft das Ziel sich weiter zu verbessern, auch wenn dieses Rennen nur schwierig zu toppen sein wird. Nächstes Jahr möchte ich aber eine Zeit von 2.25 Stunden laufen.» Vielleicht in Luzern? «Kann sein.» Der Streckenrekord von Fabian Kuert (2:26:19) kann in Gefahr geraten.

Sofern sich Müller erholt hat, wird er am Sonntag den 10. November beim 1. Bibersfelder Herbstlauf über 10 Kilometer u. a. gegen Luel Gebrengus, um den Premierensieg laufen.

  ©:Johannes Weingärtner